Eisenbahnerviertel

Ziel der vorgeschlagenen städtebaulichen Eingriffe ist eine behutsame Nachverdichtung, die die Bewohnerdichte signifikant anhebt, und gleichzeitig die vorhandenen stadträumlichen Qualitäten des Quartiers stärkt. Hierzu werden insbesondere die grünzugbegleitenden Punkthausketten und die blockbildenden Strukturen ergänzt. Das Eisenbahnerviertel in Eidelstedt bekommt eine neue Mitte mit Supermarkt, Nachbarschaftstreff, Kita und einer Platzachse als Treffpunkt. Es wird auch zukünftig im Park gewohnt, mit altem Baumbestand und weiten Rasen- und Wiesenflächen. Ein Hauptweg als Rad- und Fußwegeverbindungen durch das Quartier, verbindet die Grünräume und Wohnstandorte von Norden nach Süden und von Osten nach Westen. Entlang des Weges liegen Plätze mit unterschiedlichen Angeboten für die Bewohner: Spiel- und Bewegungsflächen, Quartiersplätze, Themengärten, Sport- und Grillplätze, eingebettet in die grüne Bestandsstruktur des umgebenden Geländes.

Städtebau

Für die Nachverdichtung werden vorzugsweise Lücken in den bestehenden städtebaulichen Figuren genutzt, und solche Flächen, die bisher mit Garagenhöfen belegt sind. Die Neubauten zwischen den bestehenden Hochhäusern werden durchweg niedriger als der Bestand vorgesehen, um in der Varianz der Gebäudehöhen die Qualität der aufgelockerten Stadt zu bewahren. Für alle Neubauten werden Gründächer vorgesehen, da diese aus den höheren Bestandsgebäuden einsehbar sind. Insgesamt werden durch die Ergänzungen 27.284 m2 BGF zusätzlicher Wohnraum, zzgl. 287 m2 BGF Flächen gemeinschaftlicher Nutzung (KiTa), zzgl. 754 m2 BGF für Einzelhandel und Dienstleistung geschaffen.

Teilbereiche A1/A2: Die Kette der vier Punkthäuser westlich des Grünzuges wird durch zwei vier- bis fünfgeschossige Baukörper ergänzt. Gemeinsam mit dem Bestand bilden Sie zum Hilpertweg Erschließungsräume aus. Die neuen Baukörper folgen in ihrer Ausrichtung dem Bestand. Ihre Winkelform erlaubt zudem die effiziente Erschließung mit einem Treppenhaus (Fünfspänner). Nahe der Quartiersmitte wird an Stelle des alten Waschhauses ein fünfgeschossiges Punkthaus mit einer KiTa im Erdgeschoss vorgesehen. Das Gebäude steht orthogonal zu den nördlich anschließenden Gebäuden, und lenkt mit seiner Schrägstellung in den Grünzug. Eine Parkpalette am Nordende von Teilbereich A1 und eine auf der Ostseite von Teilbereich A2 ersetzen die andernorts entfallenden Stellplätze.

Teilbereich A3: In der Quartiersmitte wird der Flachbau des Supermarktes durch einen viergeschossigen Riegel mit breitem Sockel ersetzt. Zusammen mit dem bestehenden Hochhaus wird ein kleiner Quartiersplatz aufgespannt. Im Erdgeschoss werden der Supermarkt, ein Waschsalon, Nachbarschaftstreff und ein Café angesiedelt. In den Obergeschossen sind Wohnungen vorgesehen.

Teilbereich B1: Die Kette der drei Punkthäuser südlich des Alpenrosenweges wir durch zwei fünfgeschossige Punkthäuser ergänzt. Diese sind zum Bestand um 90 Grad gedreht und etwas zurückgesetzt, so dass die Bestandsgebäude nicht verschattet werden. Drei weitere Baukörper werden der Kurve des krummen Kamps folgend  aufgefächert, und komplettieren die Gebäudekette. Diese Baukörper sind fünf-, vier- und sechsgeschossig.

 Teilbereich C1: Zwei abgestufte Riegelpaare mit jeweils  vier- und sechs Geschossen werden auf dem freien Streifen zwischen Jaarsmoor und Christrosenweg angeordnet. Unter diesen Gebäuden wird auf Grund der verdichteten zentralen Lage eine Tiefgarage vorgesehen.

Teilbereich C2/C3: Die Blockstruktur aus den siebziger Jahren wird mittels eines abgestuften vier- bis sechsgeschossigen Riegels entlang des Redingskamps ergänzt. Auf diese Weise wird ein Wohnhof ausgebildet.Im Teilbereich C3 werden auf Grund der einschränkenden Abstandsflächen keine zusätzlichen Baukörper angeordnet.

Freiräume

Alter Baumbestand bildet den Grundcharakter des Viertels. Ein Wechsel aus schattigen dicht von Bäumen bestandenen Flächen und sonnigen offenen landschaftlichen Bereichen zeichnen alle Teilbereiche des Eisenbahnerviertels aus und werden als große Qualität und Leitbild für die weitere Entwicklung gesehen. Die geschwungene Hauptwegeführung knüpft an das umgebende Wegenetz der angrenzenden Straßen und Grünverbindungen an. Nachbarschaftsplätze und –Angebote wechseln sich mit Parkrasen- und Wiesenflächen entlang der Wegeverbindung ab. Die neue Mitte des Eisenbahnerviertels ist eine Platzachse aus drei Teilbereichen. Rund um das Denkmal ist eine Sitzeinfassung entstanden, die zum Verweilen und Treffen einlädt. Vis á vis ist der Auftaktplatz für den Grünzug in Richtung Norden zu finden. Hier schließt unmittelbar der größte Gemeinschaftsspielplatz des Quartiers an. Vor dem neuen Supermarkt und Nachbarschaftstreff gibt es eine Bank, sowie Außenbestuhlungsbereiche für z.B. eine Cafénutzung oder den Nachbarschaftstreff.

In den großen Wohnhöfen östlich des Redingskamps sind die Spielflächen und Nachbarschaftsplätze in modellierte Rasen- und Wiesenflächen eingebettet. Die Höfe haben einen halböffentlichen Charakter. Die Topografie schafft einen weichen räumlichen Übergang zwischen dem Innenhof und den hohen seriellen Fassaden.

Erschließung, Ruhender Verkehr, Feuerwehr

Der private Parkraum ist dezentral organisiert. 2 eingeschossige Parkpaletten und 2 Tiefgaragen bieten überdachten Parkplätze an. Kleinere Parkplatzreihen, Senkrechtparker, sind straßenbegleitend den Wohngebäuden zu geordnet. Insgesamt bietet das Viertel ca. 210 ebenerdige Parkplätze, sowie 115 Tiefgaragenstellplätze auf privatem Grund an. Fahrradparker stehen am Alpenrosenweg für Spaziergänger, Einkäufer und Spielplatznutzer zur Verfügung. Alle Eingangsbereiche bieten wohnungsnah Fahrradstellplätze an. Die Feuerwehrtrassen für die Bereiche A1 und B sind mit Rasengittersteintrassen in die Wiesenflächen rund um die Gebäude integriert. Im Bereich A3, C1/C2 kann von der Straße aus angeleitert werden.

Materialität und Pflanzenverwendung

Leitthema der Oberflächenbefestigung ist für alle wichtigen Fuß- und Radwegeverbindungen im Viertel geschnittenes Großsteinpflaster. Das typische Hamburger Motiv und die lebendige Farbigkeit des Großsteinpflasters unterstreicht die Geschichte des Quartiers als ein gewachsener traditioneller Wohnstandort Hamburgs, mit enger Verbindung zur Eisenbahn und den typischen Materialien der alten Güterbahnhöfe, Bahnsteige und Warenumschlagsplätze. Geschnittenes gebrauchtes Großsteinpflaster ist nachhaltig, robust, gut begeh- und berollbar und nach dem Einbau pflegeleicht.

Der alte Baumbestand wird behutsam den neuen Bedürfnissen des Viertels angepasst. Neupflanzungen von Großbäumen, wie z.B. Eichen und Hainbuchen sichern das Grüne Erscheinungsbild des Quartiers für die folgenden Jahrzehnte. Kleinkronigere Blütengehölze, wie Zierobstsorten und Weiß-Rotdornbäume bieten Blühakzente im Frühjahr.  Extensive Gräser- und Staudenpflanzungen in großen Stückzahlen gepflanzt begleiten die Eingangsbereiche, Vorgärten und direkten Erdgeschosszonen. Parkrasen dient rund um die Spiel- und Sportplätze zum Freienspiel und Bewegen. Zweischürige Wiesenbereiche umgrenzen die Rasenflächen und bieten eine hohe ästhetische, sowie ökologische Komponente für das Quartier. Entlang des Grünzugs im Norden und rund um die Nachbarschafts- und Angebotsplätze wechseln sich Parkrasenflächen und zweischürige Wiesen entsprechend der vorgesehenen Nutzung ab.

 

 

WBW 2017 1. Preis
Planung  2017
Realisierung  
Fläche 28.325 qm BGFa
Baukosten  
Bauherr Vonovia
Standort Hamburg Eidelstedt
Team Julian Hillenkamp, Christoph Roselius, Hannah Rotzinger