Quartiersentwicklung Binnenfeldredder

Aufgabenstellung

Die Siedlung Binnenfeldredder im Bezirk Bergedorf stammt aus den 1950er bis 1970er Jahren. Sie ist mit ihren Zeilenbauten und dem teilweise organisch angelegten Erschließungsmuster eine klassische Vertreterin des städtebaulichen Leitbilds der „gegliederten und aufgelockerten Stadt“. Der überwiegende Teil der Bebauung ist drei- bis viergeschossig. Die Bestandsbaukörper sind größtenteils linear angeordnet, manche sind durch einen baulichen Versatz in ihrer Länge unterbrochen. Das inzwischen von einem ausgewachsenen Baumbestand geprägte Quartier kennzeichnet zugleich das für diese Siedlungen charakteristische Abstandsgrün. In Bezug auf ihre stadträumlichen Qualitäten im Zusammenhang mit der städtebaulichen geringen Dichte wird das Potenzial des Quartiers nicht vollends ausgeschöpft. 

Der Standort soll behutsam weiterentwickelt, und auch für neue Bewohner attraktiv gemacht werden. Vor diesem Hintergrund wurden die sich aus oben beschriebener städtebaulicher Situation ergebenen Potenzialflächen hinsichtlich einer besseren Flächenausnutzung untersucht. Dabei geht es um eine Quartiersentwicklung durch Ergänzungsbauten und Dachaufstockungen.

Städtebauliche Leitidee

Das Quartier wird über die zentrale Erschließungsachse des Binnenfeldredders erschlossen.

Entlang der Erschließungsachse ist die Bebauung mit bis zu acht Geschossen in der Nachbarschaft am höchsten, und die Abstandsflächen sind in der Regel am größten. Zu den angrenzenden Grünräumen an den Quartiersrändern werden die Gebäude immer niedriger, und sind ganz am Rand teilweise nur eingeschossig. Die Beibehaltung und Fortführung dieses grundlegenden Prinzips durch Aufstockungen und Ergänzungen erlaubt eine behutsame Nachverdichtung.  Die Qualitäten der Stadt- und Grünräume werden gestärkt, und die Bewohnerzahl wird deutlich erhöht, ohne dass sich die ansässigen Bewohner an ein grundlegend verändertes Raumgefüge gewöhnen müssten.

Freiräume

Die Freiräume des Bestandes bergen viel Potential durch ihre üppige Größe und den gewachsenen Baumbestand.  Die Flächen sind allerdings häufig als Abstandsgrün kaum genutzt, und räumlich undefiniert. Für die weitere Quartiersentwicklung werden zwei Interventionsschwerpunkte im Außenraum gesetzt:

Zum einen wird nördlich des Binnenfeldredders der schön bewachsene mittige Grünraum zu einer grünen Quartiersmitte mit großem Spielplatz ausgebaut. Ein zusätzlicher Baukörper an der Nordseite fasst den Raum.

Der westlich davon gelegene Außenraum ist im Bestand zwar etwas zu groß geraten, aber wiederum zu schmal für einen zusätzlichen Baukörper. Für diese Fläche werden zur Intensivierung der Nutzung Gemeinschaftsgärten vorgeschlagen. Ein Gemeinschaftshaus im Bereich der bestehenden Wendeschleife fasst den Raum im Süden, ein zusätzlicher Baukörper im Norden.

Zum anderen wird der im Bestand angedeutete Grünzug südlich des Binnenfeldredders zu einem grünen Band mit verschiedenen Freizeitangeboten, Spielmöglichkeiten, Ruhebereichen und ungemähten Wieseninseln für Insekten aufgewertet. Ergänzende Baukörper an der Südseite grenzen den Raum gegen die Straße ab.

Auf der bisher undifferenzierten Fläche gegenüber der Einmündung des Max-Eichholz-Rings wird südlich des Binnenfeldredders ein weiterer Spielplatz eingerichtet, der an das grüne Band grenzt, ohne dieses zu unterbrechen.

Aufstockungen

Folgende Aufstockungen werden vor diesem Hintergrund vorgeschlagen:

Die drei viergeschossigen Gebäuderiegel entlang der Südseite des Binnenfeldredders grenzen nördlich an den breiten Straßenraum, und südlich an das grüne Band. Abstandsflächen sind reichlich vorhanden, und eine Aufstockung um zwei Geschosse erscheint stadträumlich gut möglich. Die Feuerwehr erreicht die neuen Geschosse über die Erschließungswege an der Nordseite.

Die fünf Zeilenbauten entlang der Nordseite des Binnenfeldredders können ebenfalls aufgestockt werden. Die Abstandsflächen ließen eine Aufstockung um zwei Geschosse zu, in der Raumwirkung erscheinen hier aber eingeschossige Aufstockungen verträglicher. Die Feuerwehrzufahrt erfolgt hier ebenfalls vom Binnenfeldredder aus, über die Erschließungswege.

Die erhöhten Baukörper ragen über die dichten Alleebäume des Binnenfeldredder, und verleihen dem Stadtraum im Zusammenspiel ein starken, urbaneren Charakter. In Summe werden 68 zusätzliche Wohnungen in Aufstockungen hergestellt.

Nachverdichtung/Neubau

Mit dem Ziel des Erhalts und der Stärkung der wesentlichen Außenräume und des städtebaulichen Grundprinzips werden folgende ergänzende Baukörper vorgeschlagen:

  1. Ein dreigeschossiger Riegel in zweiter Reihe im Nordwesten des Quartiers. Eine Feuerwehrzufahrt ist nicht erforderlich.
  2. Ein dreigeschossiger Ergänzungsbaukörper nördlich der Gemeinschaftsgärten.
  3. Ein viergeschossiger Gebäuderiegel mit Sicherheitstreppenhäusern, nördlich der grünen Quartiersmitte.
  4. Ein abgetreppter, zurückstaffelnder drei bis fünfgeschossiger Baukörper an der Nordseite des Binnenfeldredders.
  5. Ein zurückstaffelnder viergeschossiger Baukörper mit Sicherheitstreppenhäusern im Südwesten, an der Goerdelerstraße.
  6. Ein dreigeschossiger Ergänzungsbaukörper südlich des grünen Bandes an der Goerdelerstraße.
  7. Ein eingeschossiges Gemeinschaftshaus anstelle der vorhandenen Wendeschleife. Neben Gemeinschaftsfunktionen mit gärtnerischem Schwerpunkt und einem Raum für Feiern könnte hier auch eine Kinderkrippe vorgesehen werden.

In Summe werden 132 zusätzliche Wohnungen in neuen Baukörpern hergestellt.

Erschließung / Feuerwehrzufahrt / Stellplätze

Die Erschließung für den motorisierten Verkehr bleibt im Wesentlichen unverändert. Die fußläufige Durchwegung wird durch Ergänzungen und Verdeutlichung der Wegeverknüpfungen gestärkt.

Zusätzliche Feuerwehrzufahrten werden auf Stiche vom Binnenfeldredder aus, mittels Aufweitung vorhandener Erschließungswege beschränkt. Durch die zusätzlichen Baukörper entfallen ca. 44 Stellplätze. 36 neue Stellplätze werden in zwei Tiefgaragen hergestellt. Weitere Stellplätze im Außenraum ließen sich nur durch massive Eingriffe in den Außenraum ergänzen.

 

 

 

 

 

WBW 2022 1. Preis
Planung 2022
Fläche ca. 18.500 m² BGF
Bauherr SAGA Unternehmsngruppe
Standort Hamburg-Bergedorf
Team Christoph Roselius, Julian Hillenkamp, Fabrizio Zandegiacomo