Neubebauung an der Wählingsallee

Der prämierte Entwurf der Architekten von eins:eins schafft es in hervorragender Art und Weise, ein maßstäbliches Quartier zu entwickeln. Das Konzept mit seinen abwechslungsreichen Höfen und der fein gegliederten Architektur hat die Jury überzeugt. Die Entwicklung wird die Attraktivität des Schnelsener Ortszentrums deutlich steigern.“ Johannes Gerdelmann, Baudezernent im Bezirk Eimsbüttel

 

Gegenstand des hochbauliche Wettbewerbs ist die Entwicklung einer urbanen und attraktiven Wohnbebauung in Kombination mit einer Belebung von Erdgeschosszonen durch Einzelhandelsflächen im Zentrum von Hamburg Schnelsen. Neben 180 neuen Wohnungen werden ein Nahversorger eine Bankfiliale und eine Nebenstelle der Bücherhalle geplant. Das Plangebiet ist westlich der A7 gelegen, deren Überdeckelung mit einer attraktiven Parkanlage derzeit fertiggestellt wird.

 

Städtebau

Der Entwurf entwickelt den städtebaulichen Leitgedanken einer urbanen Zwischenstadt in der hochbaulichen Ausgestaltung konsequent weiter.

Der öffentliche Raum, die privateren Freiflächen, und das Wegenetz werden ausdifferenziert, und bis ins Detail qualifiziert. Öffentliche Nutzungen greifen in den Straßenraum aus, und beleben das Ortszentrum.  Das hohe Gebäude am Park wird als prägnante Landmarke herausgearbeitet.

Das Leitmotiv symmetrischer Gebäudeköpfe entlang der Straßenfronten gibt dem Ensemble ein prägnantes Gesicht. Jedes einzelne Haus wird im Rahmen dieser Typologie gestalterisch stark differenziert, und als eigenständige Adresse kenntlich gemacht.  Die Architektursprache ist entschieden urban und selbstbewusst. 

Ein durchgängiger Gestaltungskanon gibt der Vielfalt der Fassaden ein kompositorisches Regelwerk. Vielfalt und Gemeinsamkeit werden in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht.

 

Gebäudeerschließung/Rettungswege

Die erdgeschossigen Gewerbeflächen werden von der Wählingsallee erschlossen. Die Eingänge zu den Wohnungen an den Allmendeflächen werden durch Gebäudeunterschnitte markiert. Weitere Eingänge liegen sinnfällig auffindbar an den Straßenfronten.

Alle Wohnungen werden über Sicherheitstreppenhäuser (light) erschlossen. So wird eine Unterteilung in viele kleine Wohnungen zur lärmabgewandten Seite ermöglicht. Zudem können alle Freiräume von Feuerwehraufstellflächen freigehalten werden.

 

Wohnungen

Insgesamt werden 184 Wohnungen hergestellt. Diese werden effizient über neun Treppenhäuser erschlossen. Der geforderte Wohnungsmix und die Zuweisung der Finanzierungsarten werden annähernd eingehalten, bzw. können weiter angepasst werden. Die Wohnungsgrößen entsprechen den Förderkriterien. Schlafzimmer sind bis auf ganz wenige Ausnahmen zur schallabgewandten Seite angeordnet.

 

Einzelhandel/Gewerbe

Der Eingang des Supermarktes liegt an der Wählingsallee. Shop-in-Shop Angebote beleben die Straßenfront. Ein Café an der Ecke Wählingsallee/Jungborn ist sowohl aus dem Supermarkt, als auch von der Parkseite aus zugänglich. Die Außenbestuhlung ist zum Park orientiert.

Die Sparkasse  liegt neben dem Supermarkt. Die erforderlichen Flächen werden im Erdgeschoss und in einem Galeriegeschoss nachgewiesen. Die Bücherhalle im ersten Langhaus flankiert die Allmendefläche. Im Erdgeschoss des zweiten Langhauses befindet sich die Gewerbefläche der Immobilienfirma.

 

Nachhaltigkeitskonzept

Für die Reduktion des Verbrauchs grauer Energie bei der Gebäudeerstellung ist die Reduktion des Betonanteils maßgeblich.  Daher wird ein einfacher Lastabtrag zwischen übereinander angeordneten Fenstern gewählt, der den Betonanteil in den massiven Außenwänden reduziert, und einen Holzbau begünstigt. Zudem können heute im Geschosswohnungsbau Decken in Holzbauweise ausgeführt werden. Diese Bauweise soll unter Berücksichtigung  der Schall- und Brandschutzes sowohl im Massivbau, als auch im Holzbau verfolgt werden.

A/V-Verhältnis sowie moderate Fenstergrößen sind vorgegeben, und werden umgesetzt.

Backstein-Vorsatzschalen, und keramische Wandbeläge sind sehr langlebig, reinigungsfreundlich und recycelbar. Mit Bio-Alkohol vorbehandeltes Holz (Produkt Kebony o. glw.) ist ebenfalls extrem langlebig. 

Begrünte Dächer unterstützen die Retention und die Artenvielfalt der Insekten.

Die seitlichen Fassaden in den Allmende- und Gartenhöfen werden mit Rankgerüsten an den Balkonen begrünt. Die flachgeneigten Dachflächen werden zusätzlich für Photovoltaikpaneele genutzt. Die Haustechnik soll so einfach wie möglich gehalten werden, und eine Fensterlüftung ermöglichen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz erneuerbarer Energien.

 

Freiraum

Das freiraumplanerische Grundgerüst beruht auf dem spannungsreichen Wechsel zwischen „harten“ Allmendehöfen, und „weichen“, grünen Höfen, die sich an den öffentlichen Straßenraum anlagern. Dieses Leitmotiv wird qualifiziert und weiterentwickelt. Der öffentliche Raum wird grün und lebendig gestaltet, bietet Aufenthaltsmöglichkeiten und nimmt die Fahrradinfrastruktur auf.

 

Die „harten“  Allmendehöfe dienen der Erschließung, und bieten zum anderen verschiedene Nutzungs-und Aneignungsmöglichkeiten. Ein farblich akzentuierter Pflasterstreifen wird als „Aurazone“ vor den Gebäuden verstanden. Diese kann flexibel bespielt werden, und akzentuiert die Gebäudeeingänge. Die Bücherhalle wird eng mit dem Außenraum verzahnt und durch einen Ort zum Treffen und Aufenthalt im Freiraum ergänzt.

 

Der grüne Hof dient als gemeinschaftliche Aufenthaltsfläche mit naturnahen Spielmöglichkeiten. Um die privaten Wohnbereiche nicht zu beeinträchtigen, wird hier ein grüner Puffer aus extensiven Wiesenflächen zusammen mit Strauchpflanzungen vorgeschlagen. Die TG-Ein-Ausfahrt wird durch eine berankte Pergola behutsam in den Bereich integriert.

 

 

 

WBW 2022 1. Preis
Planung  2022 – 24
Realisierung  2024 – 26
Fläche  ca. 25.000 m²
Bauherr WAE Objektgesellschaft mbH
Standort Hamburg
Aussenanlagen TREIBHAUS Landschaftsarchitektur Hamburg
Visualisierungen

bloomimages GmbH